Jenseits von Richtig und Falsch ist ein Ort. Lasst uns dort treffen. – Rumi

Giraffensprache

Jenseits von Richtig und Falsch ist ein Ort. Lasst uns dort treffen. – Rumi

Konflikte gehören zum Schulalltag dazu. Fast täglich kommt es zu Unstimmigkeiten zwischen einzelnen Schülerinnen oder Schülern. Streitsituationen treten in den Klassen, im Flur oder auf dem Schulhof auf, und manchmal werden einzelne Kinder ausgegrenzt. Oft bleibt anschließend nicht genug Zeit zum Schlichten und Aufklären der Situation. Das ist für die Kinder und die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer unbefriedigend.

Für ein gutes Miteinander in unserem Schulleben wurde bereits im Schuljahr 2010/11 unsere Schulverfassung „Ilse“ (Interaktion zwischen Lehrern, Schülern und Eltern) erarbeitet. Darin wurde vereinbart, dass wir alle Verantwortung für die Gestaltung des Schullebens tragen und uns gegenseitig mit Vertrauen, Wertschätzung, Respekt und Anerkennung begegnen wollen.

Um diese wichtigen Vereinbarungen zum wertschätzenden Umgang miteinander wieder mehr in den Fokus zu nehmen, hat sich das Kollegium am ersten Pädagogischen Ganztag im Schuljahr 2018/19 mit der „Gewaltfreien Kommunikation (GFK)“ von Marshall Rosenberg, einem amerikanischen Psychologen, beschäftigt. Rosenberg eröffnet mit der GFK eine Möglichkeit, auch im Konfliktfall die respektvolle Verbindung zum Gegenüber zu halten und Streit konstruktiv aufzulösen. In der GFK gilt jedes Gefühl als ein Hinweis auf ein erfülltes oder unerfülltes Bedürfnis. Das Bedürfnis selbst wird als Schlüssel zur Konfliktlösung verstanden. Mit Hilfe dieses Modells lernen die am Kommunikationsprozess Beteiligten, wieder in Kontakt zu kommen, einander besser zu verstehen und die Bedürfnisse aller zu berücksichtigen.

Als Symboltier dient die Giraffe, das Landtier mit dem größten Herzen. Sie spricht die Giraffensprache (auch bekannt als Sprache des Herzens) und orientiert sich an Gefühlen und Bedürfnissen. Mit ihrem langen Hals hat sie einen weiten Blick über die Situationen und ist somit offen für verschiedene Lösungen. Aufgrund ihrer eingängigen und einfachen Struktur eignet sich die Giraffensprache besonders für die Vermittlung an Schulen.

Nach der Einführung entstand der Wunsch, das „Giraffen-Projekt“ an der ganzen Schule einzuführen, mit dem Ziel, die wertschätzende Schulkultur (verankert in der Ilse) noch stärker in den Schulalltag zu integrieren. Außerdem möchten wir so das Bewusstsein für unsere Wortwahl in Konfliktsituationen weiter stärken und den selbstverantwortlichen und nachhaltigen Umgang mit Konflikten noch besser erlernen.

Am zweiten Pädagogischen Ganztag im Schuljahr 2018/19 wird sich das Kollegium mit einer Moderatorin auf die konkrete Einführung des „Giraffen-Projekts“ vorbereiten und die dazu nötigen Vorkehrungen treffen. Anschließend wird in den einzelnen Klassen mit dem Projekt begonnen. Grundlage ist für uns das Buch „Respektvoll miteinander sprechen – Konflikten vorbeugen. 10 Trainingsmodule zur gewaltfreien Kommunikation in der Grundschule“, Evelyn und Sven Schöllmann, Verlag an der Ruhr. Bis zu den Sommerferien wollen wir die ersten drei Module in allen Klassen durchführen. Die Kinder lernen die Giraffe kennen, die ihnen die vier Schritte der Giraffensprache vermittelt. Dabei ist es uns wichtig, die Mitarbeiterinnen aus der OGS einzubeziehen, damit die Kinder ihre Konflikte und Auseinandersetzungen in Zukunft nicht nur in der Schule, sondern auch im Nachmittagsbereich „giraffisch“ lösen können.

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Die vier Schritte der Giraffensprache (friedlich miteinander kommunizieren)

1.     Beobachtung /Wahrnehmung

Sich selbst und die Umwelt ohne Bewertung wahrnehmen

Ich beschreibe, was ich beobachte, ohne den anderen zu beleidigen.

2.     Gefühl

Gefühle wahrnehmen und zum Ausdruck bringen

Ich teile mit, wie ich mich fühle.

3.     Bedürfnis

Bewusstsein für unterschiedliche Bedürfnisse entwickeln („Was ich brauche“) und diese mitteilen

Ich teile mit, was ich brauche.

4.     Bitte

Bitten formulieren (konkret, handlungsbezogen, sofort umsetzbar) und dadurch Verantwortung übernehmen

(nicht: „Was soll aufhören?“ sondern „Was soll jetzt beginnen?“)

Ich formuliere eine Bitte und sage deutlich, was ich mir wünsche.