"Im Sinne einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf den Baum!"
© Hans Traxler

Leistungskonzept

“Im Sinne einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf den Baum!”
© Hans Traxler


Leistung wahrnehmen und würdigen – Leistung fördern – Leistung bewerten und dokumentieren

Im Unterricht der Wichernschule legen wir einen pädagogischen Leistungsbegriff zugrunde.  Das ist aus unserem Selbstverständnis als Schule in inklusiver Entwicklung nur konsequent.
Die Lern- und Leistungsentwicklung der Kinder soll optimal gefördert werden.
Deshalb sehen wir als Pädagogen unsere Aufgabe darin, vielfältige Möglichkeiten hierfür zu entwickeln und immer wieder zu hinterfragen.
Leben und Lernen in der Grundschule müssen bei allen Kindern die Bereitschaft und die Fähigkeit entwickeln und erhalten, Leistungen zu erbringen.

Wir legen dabei folgende Erfahrungen und Erkenntnisse zugrunde:

  • Jedes Kind ist ein besonderes Kind und hat ein Recht auf individuelle Förderung.
  • Kinder sind bereit, ihre Fähigkeiten zu erproben, dazuzulernen und sich dafür anzustrengen.
  • Kinder sind verschieden in ihrem Antrieb, in ihren Lernwegen, in ihrem Lern- und Arbeitstempo, in ihrer Zielstrebigkeit, in ihrer Bereitschaft, sich auf vorgegebene oder vereinbarte Aufgabenstellungen einzulassen.
  • „Fehler“ sehen wir als Fenster in den Lernprozess des Kindes.
  • Die Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern begreifen wir als Chance für das gemeinsame Lernen.
  • Kooperative Lernformen und -methoden unterstützen den Lernprozess und die gemeinsame Verantwortung für das Lernen, steigern das Leistungsniveau und bauen Konkurrenzdenken ab.

Um die Lern- und Leistungsbereitschaft zu erhalten und zu stärken, ermöglichen die Pädagogen unserer Schule jedem Kind die Erfahrung, dass es etwas kann. Dadurch gewinnen Kinder das notwendige Selbstvertrauen, das sie zu neuen Leistungen bereit und fähig macht. Lernkontrollen werden dann geschrieben, wenn die Schüler/innen die jeweiligen Lerninhalte erarbeitet haben, was zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Fall sein kann.

Wir geben Kindern auf vielfältige Weise Rückmeldungen über ihre Leistungen, grundsätzlich aber im Dialog und in ermutigender Form.

Aus unserem Selbstverständnis als Schule mit Montessori-Schwerpunkt ist uns die Entwicklung der Eigenverantwortung des Kindes sehr wichtig. Maria Montessori sagt, jedes Kind hat seinen eigenen Bauplan, es muss seine Entwicklung für sich selbst betreiben, es muss selbst handeln, selbst denken, selbst fühlen. In den nordrhein-westfälischen Richtlinien für die Grundschule wird es so ausgedrückt: Die Schülerinnen und Schüler sollen insbesondere lernen, selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln.

Um dies noch intensiver zu fördern arbeiten wir daran, eine Reflexionskultur als zentralen Baustein der Leistungserziehung zu etablieren: In Reflexionsgesprächen am Ende von Arbeitsabschnitten mit der ganzen Lerngruppe wird mit Hilfe von Fragen, die diesen Prozess unterstützen, überlegt, was und wie gelernt wurde. Auf diese Art wird das Lernverhalten gespiegelt, Kinder wie Erwachsene geben auf der Grundlage gemeinsam vereinbarter Kriterien Rückmeldungen und Anregungen zu Veränderungen.
In individuellen Lernberatungsgesprächen werden die Kinder in ihre Lernprozessplanung mit einbezogen: „Was willst du als nächstes lernen?“ So wird den Kindern selbst bewusst, dass sie für ihr eigenes Lernen verantwortlich sind und lernen immer besser sich selbst dabei einzuschätzen.

Bei der Leistungsbeurteilung hat jedes Kind Anspruch auf Anerkennung seiner individuellen Lernfortschritte.

Kinder kommen mit großer Lernmotivation in die Schule. Sie entwickeln im Laufe der Schulzeit kontinuierlich ihre Leistungs- und Anstrengungsbereitschaft weiter. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Selbsteinschätzung ihrer individuellen Fähigkeiten wächst beständig. Dies erfordert unbedingt lern- und leistungsfördernde pädagogische Rückmeldungen. Wir sind der Überzeugung, dass Zensuren das nicht leisten können! Daher ist es uns ein zentrales Anliegen – soweit es geht  – eine Schule ohne Noten zu sein, was laut Schulgesetz NRW bis einschließlich des 3. Schuljahres möglich ist. Wichernschulkinder erhalten also in den ersten drei Schuljahren Lernentwicklungsberichte ohne Noten und erst im 4. Schuljahr Notenzeugnisse (Beschluss der Schulkonferenz vom 21. Mai 2012).

In unseren Lernentwicklungsberichten in Form eines Briefes an das Kind werden im Zeugnis der ganz persönliche Leistungsstand, die Lernfortschritte, die Stärken und Neigungen aufgezeigt, aber auch konkrete Hinweise zur Förderung der Lernentwicklung gegeben, um eine neue Motivation aufzubauen.

Vor dem Übergang in die weiterführenden Schulen beraten die Eltern, die Grundschullehrerinnen, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen gemeinsam über die geeignete Schulform für jedes Kind. Besteht bei einem Kind auch nach dem vierten Schuljahr weiterhin sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf, wird abgewogen, ob es an einer allgemeinbildenden Schule geeignete integrative bzw. inklusive Maßnahmen gibt oder ob das Kind in einer entsprechenden Förderschule besser gefördert werden kann. Der pädagogische Leistungsbegriff erfordert eine Leistungsbewertung, die alle im Unterricht erbrachten Leistungen einbezieht. Dazu gehören auch Anstrengungsbereitschaft und Lernfortschritte. Deshalb hat die Beobachtung durch die Pädagogen einen sehr hohen Stellenwert und wird durch alle anderen Formen der Diagnose und Leistungsfeststellung ergänzt.

Neben Einzelleistungen werden auch in Gruppen erbrachte Leistungen und soziale Kompetenzen berücksichtigt.
Hilfen bei der Feststellung des Standes der Lernentwicklung erhalten wir darüber hinaus durch verbindlich vereinbarte standardisierte Testverfahren (siehe Leistungskonzept Deutsch und Mathematik).

Diese Dokumente geben jedoch nur oberflächlich Aufschluss über die Vorgehensweisen und Denkwege der Kinder. Daher versuchen wir so oft wie möglich individuelle Gespräche mit jedem einzelnen Kind  zu führen. Dadurch erfahren wir mehr darüber, wie das einzelne Kind denkt, verstehen seine Handlungsweisen und können darauf besser reagieren oder es unterstützen.

Den Eltern bieten wir viele Möglichkeiten, sich über die Entwicklung und die Leistungen der Kinder zu informieren, zum Beispiel:

  • Elternbriefe zu Unterrichtsvorhaben
  • Unterrichtshospitationen
  • Mithilfe während der Freiarbeit
  • Elternsprechtage
  • Gespräche über die Zeugnisse,
  • Gespräche aus aktuellen Anlässen mit der Klassenlehrerin
  • Wochenprotokoll

Die konkrete Umsetzung unseres Leistungskonzeptes:

Leistungen wahrnehmen (Lernstände feststellen, Lernentwicklungen bestätigen) durch:

  • individuelle Gespräche mit jedem einzelnen Kind
  • Wahrnehmung, Feststellung und Würdigung des Gelungenen
  • Ausgabe von Diplomen, Pässen, Lernbestätigungen, Ausweisen etc.
  • Wochenprotokolle
  • schriftliche Bemerkungen zu Schülerarbeiten
  • schriftliche Standortbestimmungen und Lernergebnisse
  • verbindlich vereinbarte standardisierte Testverfahren

Leistungen fördern (individuell, sozial und sachbezogen) durch:

  • Anerkennung der Persönlichkeit des Kindes
  • Förderung gemeinsamer Verantwortung für das Lernen – Einbeziehung von verbindlich vereinbarten kooperativen Methoden
  • Transparenz bezüglich erwarteter Kompetenzen
  • die Empfehlung, wie aus Fehlern gelernt und noch unsichere Qualifikationen gefestigt werden können
  • Entwicklung einer Reflexionskultur als zentralem Baustein der Leistungserziehung
  • Reflexionsgespräche am Ende von Arbeitsabschnitten mit der ganzen Lerngruppe mit Hilfe von Fragen, die diesen Prozess unterstützen
  • Spiegelung des Lern-, Arbeits- und Sozialverhaltens,
  • gegenseitige Beratung mit Anregungen und Vorschlägen zu Veränderungen und Weiterentwicklungen
  • individuelle Lernberatungsgespräche, in denen die Kinder in ihre Lernprozessplanung mit einbezogen werden: „Was willst du als Nächstes lernen?“
  • Bewusstmachung, dass Kinder für ihr eigenes Lernen verantwortlich sind und lernen müssen, sich selbst dabei einzuschätzen
  • Aufgaben auf unterschiedlichen Anforderungsstufen
  • Schaffen von Möglichkeiten, herausfordernde Aufgaben auf eigenem Niveau auszuwählen oder auch selbst zu stellen (Differenzierung vom Kind aus/„natürliche“ Differenzierung)

Leistungen bewerten und dokumentieren (transparent, würdigend, ermutigend):

  • Entwicklung der Fähigkeit, sich und seine Leistung selbst einzuschätzen (Selbstreflexion) durch:
    • regelmäßige Lerngespräche
    • Transparenz über zu erwartende Kompetenzen von Beginn einer Aufgabe an
    • häufig in Form der Dreifinger – Einschätzung, bezogen auf die zu fördernden Kompetenzen, am Ende einer Aufgabe
  • Transparenz gegenüber den Eltern durch Mitnahme der Lernzielkontrolle (LZK) nach Hause
  • Sammlung ausgewählter Lernergebnisse und Lernzielkontrollen in der Schule
  • Dokumentation von Ergebnissen und Auswertungen von LZK in der Hand des Pädagogen
  • Rückmeldung für das Kind über erreichte, teilweise oder noch nicht erreichte Kompetenzen
  • Zeugnisse (Lernentwicklungsberichte Jg. 1-3, Notenzeugnisse Jg. 4)